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Das Ziegelhaus - ein Gelnhäuser Stadtviertel mit Geschichte.
Nach der Stadtgründung Gelnhausens im Jahre 1170 durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa und der Befestigung der Stadt durch Stadtmauern wuchs deren Bevölkerung sprunghaft. Schon bald reichte der Platz innerhalb der Mauern nicht mehr aus. Außerhalb der Stadt siedelten sich Handwerker an, deren Gewerbe innerhalb der Stadt unerwünscht waren, wie z. B. die Gerber wegen der bei der Bearbeitung von Tierhäuten entstehenden Geruchsbelästigung. Auch das Hospital wurde wegen der Ansteckungsgefahr außerhalb der Stadtmauern betrieben.
Südlich der Kinzig siedelten sich die Ziegler an. Eine Ziegelei innerhalb der Stadtmauern zu betreiben, wäre wegen der Feuergefahr unvernünftig gewesen. Aber auch die Nähe zur Kinzig und die nahen Ton – und Kalkvorkommen in Hailer und Altenhaßlau waren dafür ausschlaggebend.
Heute finden sich in dem südlichen Stadtteil Gelnhausens, dem Ziegelhaus, neben dem Bahnhof, der Post, und dem medizinischen Zentrum „Triangulum“ viele inhabergeführte Fachgeschäfte mit einem breiten Sortiment an ausgesuchten Waren. Die ehemalige Bahnhofstraße führte vom Bahnhof bis zur Kinzigbrücke. Zu Zeiten der Weimarer Republik wurde sie im Kreuzungsbereich Altenhaßlauer Straße / Hailerer Staße geteilt. Seit dieser Zeit heißt der nördliche Teil der ehemaligen Bahnhofstaße “Im Ziegelhaus“.
„Mit ihren Wagen schafften die Ziegler Ton aus den Lehmkauten in Altenhaßlau und am Hailerer Wäldchen herbei, den sie zu Ziegelware verarbeiteten. Sie schnitten mit dem Messer den Letten in Scheiben, um störende Steine auslösen zu können, und traten anschließend unter Zufügen von Wasser barfuß den Tonhaufen durch. Gesellen, auch Frauen und Kinder, halfen dabei mit. Für die Ziegel kam ein Tonklumpen in eine hölzerne oder eiserne Form. Mit der Hand strich der Ziegler die Oberfläche glatt und fügte mit einem Brettchen die Pfalz an. ... Am schnellsten entstanden die einfachen Mauerziegeln, für die er den Ton in einen quaderförmigen Kasten strich.“ Ebenso entstanden auch Fußbodenplatten, die mit geometrischen Mustern verziert wurden, wie es heute noch in der Marienkirche zu sehen ist.

Die ehemalige Gelnhäuser Bahnhofstraße heißt heute " Im Ziegelhaus "
„An der Luft ... mussten die Ziegel einige Wochen trocknen. Sollte der Brand gelingen, musste etwa fünf Tage und fünf Nächte lang gleichmäßig alle zwei bis drei Stunden Brennholz nachgelegt werden. Der Brennofen kühlte noch einige Tage aus: Die Nachhitze sollte zur Festigung der gebrannten Ziegel beitragen. Das Brennmaterial hatte der Ziegler im Winter aus dem Altenhaßlauer Markwald herbeigeholt. So fertigte der Ziegler in mühsamer Hand – und Fußarbeit zusammen mit seinen Stein – und Bildhauerkollegen das Gesamtkunstwerk Altstadt Gelnhausen.“ (1) |
Elke Östreich
Wir danken Dr. Jürgen Ackermann für das Informationmaterial zur Geschichte des Ziegelhauses.
(1) Dr. Jürgen Ackermann, Vortrag beim Heimat- und Geschichtsverein Gelnhausen am 28.10.2005 |